Heinz in der Handballpost

HaPo 12/21: Serie „Wir machen Sachsens Handball stark“ – Teil 15: Heinz Köhler, VfL Waldheim 54

Was wäre Handball ohne die unzähligen Helden des Alltags, die Ehrenamtlichen und positiv Verrückten? Die Handballpost geht dieser Frage nach und stellt in einer Serie die Handball-Macher im Freistaat vor — in Teil 15: Heinz Köhler vom VfL Waldheim 54.

Rentner haben niemals Zeit. Dieser Spruch galt einst als Titel für eine mehrteilige Serie des DDR- Fernsehens. Dass diese Weisheit aber auch noch heute durchaus ihre Gültigkeit hat, beweist Heinz Köhler. Der 73-Jährige ist Stammgast in der Werner-Melzer Sporthalle Waldheim. Dabei macht es sich der Senior aber nicht auf den Zuschauerrängen oder der Kantine gemütlich, sondern gibt sein Wissen als Nachwuchstrainer an den Nachwuchs weiter. Damit nicht genug, zeichnet er sogar noch für eine Frauenmannschaft verantwortlich. Seit nunmehr sechs Jahrzehnten hat sich der Waldheimer als Spieler und Trainer dem Handballsport verschrieben. Alles begann im Alter von 13 Jahren. Ein Freund nahm ihn damals in die Sporthalle mit, wo er bei der Waldheimer Handball-Instuitution Werner Melzer das sportliche Einmaleins lernte. Im Nachwuchsbereich trug der gelernte Werkzeugmacher das Waldheimer Trikot, im Männerbereich spielte er für Motor Leisnig. In der Bezirksliga, damals immerhin die dritthöchste Spielklasse in der DDR, traf Leisnig zum Beispiel auf die Leipziger Mannschaften von LVB, MoGoNo oder Lok-Mitte sowie das Team aus Hartha. „Von 1961 bis 1984 war ich aktiv. Dabei spielte ich nicht auf einer angestammten Position, sondern kam immer dort zum Einsatz, wo jemand gebraucht wurde“, schmunzelt der Familienvater. Parallel zu seiner Laufbahn als Spieler startete Köhler seine Trainer-Karriere. Ab 1973 übt er dieses Ehrenamt mit kleinen Unterbrechungen bis heute aus. „Diese Tätigkeit hat mir immer sehr viel Spaß gemacht. Dank einer zielstrebigen Arbeit stellten sich auch manche Erfolge ein“, blickt der engagierte Coach zurück. So war er 1985 als Verantwortlicher für die Bezirksauswahl Leipzig bei der 10. Kinder- und Jugendspartakiade der DDR in Berlin dabei. Eine andere Urkunde attestiert, dass Lok Waldheim 1988/89 Bezirksmeister der Altersklasse 15/16 (männlich) wurde. „Diese Truppe hat mich dann 1990 gebeten, das Traineramt weiter zu machen. Dem habe ich zugestimmt und zehn Jahre die Männer des VfL Waldheim betreut“, sagt der Waldheimer, dem in der Sporthalle nach wie vor Disziplin und Akzeptanz wichtig sind. Um die Jahrtausendwende legte Köhler, der mittlerweile als Vorarbeiter in einem Leipziger Straßenbauunternehmen seine Brötchen verdiente, dann erst einmal eine Pause ein, um ab 2010 für 5 Jahre die Männermannschaft des SV Leisnig zu trainieren. Anschließend räumte der Sachse seine Trainingskleidung wieder in der Melzer-Halle in Waldheim ein. Wenn es die Coronalage zulässt, bringt er in dieser Saison der F- Jugend bei, wie sie mit dem Ball umgehen müssen. Mit der B-Jugend wagte der Trainer den Sprung in die Sachsenliga. „Allerdings hatten wir in dieser Serie nur eine Begegnung, anschließend ist der Spielbetrieb wegen der Corona-Situation leider unterbrochen worden“ , bedauert Köhler. Zusätzlich ist er unter normalen Umständen im Rahmen der sogenannten Ganztagesangebote in der einheimischen Grundschule unterwegs, um dort die Mädchen und Jungen für den Handballsport zu begeistern. Außerdem engagiert sich der Senior auf der Trainerbank der Damen des Geringswalder HV, die in der Kreisliga um Punkte kämpfen. „In der Regel bin ich dreimal die Woche zum Training in der Sporthalle, dazu kommen am Wochenende die Punktspiele“, macht Köhler deutlich, dass er am Betriebskostenaufkommen seiner eigenen Wohnung nur einen überschaubaren Anteil trägt. Außerhalb des Spiel- und Trainingsbetriebes kümmert sich der Handballaktivist zu Hause um ein paar Wellensittiche und Zebrafinken. „Ein professioneller Züchter bin ich deshalb aber nicht“, sagt Köhler. Schließlich hat er als Rentner für ein weiteres intensives Hobby gar keine Zeit. Knut Berger