Sächsische Handballpost: 50 Jahre VfL im Rückblick 20.-23.05.2004

Highlights ohne Ende zum 50jährigen Jubiläum des VfL Waldheim 54

Mehrere hundert begeisterte Zuschauer erlebten in Waldheimer Stadtsporthalle feinste Handball-Leckerbissen

Waldheim. (Eig.Ber./mtp). Als vor nunmehr 50 Jahren die BSG Lokomotive Waldheim unter Federführung der Handballfreunde und Kegelbrüder gegründet wurde, ahnt wohl niemand was daraus einmal werden würde. Ganz zu schweigen von den gesellschaftlichen Veränderungen, die schon 15 Jahre vor halben Hundert durchaus auch das Aus hätten bedeuten können. Nun werden einige der älteren Sportexperten behaupten, dass es schon mehr als 50 Jahre her ist, als in der Zschopaustadt die ersten Handbälle durch die Luft flogen. Und sie haben recht. Nur belegbar ist es eben nicht. Bis zum 2. Weltkrieg existieren keine dementsprechenden Angaben, die zweifelsfrei den tatsächlichen Beginn des Handballzeitalters in Waldheim dokumentieren. Auch nicht über den damals praktizierten Großfeldhandball. Überliefert ist dabei lediglich, dass sich die Handballer mit den Keglern 1945 zu einem Turnverein zusammentaten und auch dass eine sogenannte Männer-Elf ab 1946 bei Großfeldspielen gegen Döbeln, Roßwein, Siebenlehn, Mügeln, Neudorf und Hartha antrat. Höhen und Tiefen prägten die insgesamt positive Vereinsgeschichte bis 1989. Währen in der DDR-Zeit die Herausforderungen weniger wirtschaftlicher Natur waren, galt es ab 1990 den Verein im Wettbewerbsumfeld zu etablieren und den veränderten Bedingungen Rechnung zu tragen. Neben den sportlichen und finanziellen Herausforderungen galt es nun gemeinsam mit dem Stadtrat und der Stadtverwaltung Waldheim einen jahrzehntelangen Traum der Handballgemeinde Wirklichkeit werden zu lassen – den Bau einer handballtauglichen Sporthalle. Und der wurde im April 2000 erfüllt. Ohne auch nur eine einzige Mark Fördermittel wurde die Stadtsporthalle geplant und errichtet! Eine Meisterleistung für die sich der VfL mit dem versprochenen Aufstieg der 1. Männer- und der 1. Frauenmannschaft in die Verbandsliga bedankte und auch mit allen anderen Mannschaften und Abteilungen reihenweise Erfolge verzeichnete. Da der Anfang August 1993 aus der Taufe gehobene VfL bekanntlich aus der am 1. März 1954 mit Unterstützung der Deutschen Reichsbahn gegründeten BSG Lok hervorging, deshalb auch der Zusatz „54“, begehen die Vereinsmitglieder in diesem Jahr ihr Jubiläum. Zwar nicht am 1. März, denn solche Feierlichkeiten haben mehr als einen normalen Montag verdient, also ging die Geburtstagsparty über ganze vier volle Tage und Nächte am langen Himmelfahrtswochenende. Und das dieser Termin genau der richtige war, zeigt allein schon die Beteiligung der ehemaligen Waldheimer Handballer zum Traditionstreffen. Aber der Reihe nach. Los ging es am Himmelfahrtstag, als die männliche B-Jugend und die weibliche A/B-Jugend im Turnier die Sieger im Petters-Bau-Cup ermittelten. Nach gut sechs Stunden standen dann die Sieger fest. Die Pokale in beiden Kategorien blieben in der Zschopaustadt. Am darauffolgenden Freitag tobten sich dann die allerjüngsten Handballer des VfL über fast acht Stunden in der Stadtsporthalle bei Spiel, Spaß und Sport so richtig aus. Direkt im Anschluss fanden sich dann mehr als 200 ehemalige Waldheimer Handballer jeden Alters an (fast) alter Wirkungsstätte ein, um noch einmal die Trikots überzustreifen. Fast bis Mitternacht wurden alte Anecktoden aufgewärmt, auf die guten alten Zeiten angestoßen und natürlich traten die alten Hasen (und Häsinnen) noch einmal auf dem Spielfeld gegeneinander an. Vom Samstag bis Sonntag waren dann insgesamt 16 Teams angereist, um beim traditionellen 13. Vepo-Cup für Männer- und Frauenmannschaften die Sieger zu ermitteln. Nach über 13 Stunden Handball und 62 Partien standen in einem höchst fairen Turnier die Sieger fest. Mit dem SC Riesa bei den Frauen und der TuS Weinböhla bei den Männern kamen zum Schluss dann auch wirklich die besten Mannschaften zu Pokalehren. Zum sportlichen Höhepunkt des Vereinsjubiläums hatten sich die VfL-Handballer namhafte Gäste in die Stadtsporthalle eingeladen, die so manchen Handballfreund mit der Zunge schnalzen lassen und über 550 Fans nach Waldheim lockten: Die DDR-Olympiasieger von 1980, welche geballte 1419 Länderspieleinsätze auf die Spielfläche brachten und für so manchen handballerischen Leckerbissen sorgten. Sie sind zwar nicht mehr die Schnellsten, aber in Punkto Tricks und Raffinesse sind sie immer noch (fast) unerreichbar. In den ersten 30 Minuten war die Verbandsligamannschaft des VfL den Altinternationalen ein ebenbürtiger Rivale und Siggi Voigt im Tor musste öfters hinter sich greifen, um ärgeres zu verhindern. Das VfL-Team mit den Neulingen Eric Voß und Frank Drechsler spielte gut mit und markierte unter dem Beifall der zahlreichen Zuschauer durch den schnellen Drechsler und Blech schöne Tore. Wenn die Doering, Mühlner, Dreibrodt und der nicht zu stellende Wiegert aber ihre „Kabinettstückchen“ vorführten, waren die Zuschauer begeistert und Zaubertore angesagt. Über die Stationen 8:6, 9:7 und 10:8 lag der Gastgeber in Front. Danach machten die Schützlinge von Trainer Paul Tiedemann ernst und gingen mit einem knappen 17:18 in die Pause. In den zweiten 30 Minuten war die ältere VfL-Generation gegen die Olympiasieger am Ball. Die Gegenwehr gestaltete sich entsprechend etwas bescheidener. „Schließlich darf man doch Götter nicht schlagen“ kommentierte VfL-Vize Matthias Poch nach der Partie die Vorstellung der Waldheimer Oldies im zweiten Durchgang mit einem Schmunzeln. Die Gäste waren durch „Abstauber“ Wiegert immer wieder erfolgreich, der gar nicht mehr zurücklief und gleich am gegnerischen Kreis auf das entscheitende Anspiel wartete. Beide VfL-Torleute, Heinze und Kuhn, verhinderten dann aber doch einen höheren Einbruch und nahmen Dreibrodt, Hauck und Mühlner einige Möglichkeiten weg. Die VfL-Akteure Zenker, Poch, Fichte und Seeger ließen gute Chancen aus, blieben an „Fels“ Gunnar Schimrock hängen, der wie ein Fels in der Brandung zum Teil lässig am Torpfosten lehnte und dann doch immer wieder mit minimalen Bewegungen die Wurfbahn des Balles verstellte. Unglaublich. Torwartlegende Wieland Schmidt, nun im Feld aufgeboten, setzte vier Treffer ins Netz. Doch den Fans war das egal. Szenenapplaus gab es für beide Seiten. Mit dem Tabellendritten der 2. Bundesliga-Nord, Concordia Delitzsch, empfingen die Waldheimer zum Abschluss der Jubiläumsfeierlichkeiten nicht nur den Dritten der 2. Bundesliga-Nord, sondern auch einen für die neue Saison heiß gehandelten Aufstiegsaspiranten in die Eliteliga des deutschen Handballs. Ganz klar, dass das Bundesliga-Team um Trainer Uwe Jungandreas und Co-Trainer Christian Pöhler wird mit dem kompletten Bundesligakader anreisten, einzig Juniorenauswahl-Keeper Heinevetter und Ex-SCM-Profi Eric Götel fehlten krankheitsbedingt, waren aber mit angereist. Und die Delitzscher hatten nach zwei Wochen Pause auch richtig „Hunger“ auf Handball. Los ging es mit dem Stammsiebener, mit Jan Resimius im Tor sowie unter anderem mit dem Torschützenkönig der 2. Liga, Lars Kaufmann. Das die gastgebende VfL-Sieben dem Bundesligisten in diesem Freundschaftsspiel ernsthaft in Bedrängnis bring, war wohl auch kaum zu erwaten, schließlich sind das doch drei ganze Klassen Unterschied. Und so war es auch kaum verwunderlich, dass die Gäste schnell mit 4:0 in Front zogen und sich beim 12:3 ein beruhigendes Polster verschafft hatten. Dennoch war der VfL gut eingestellt und brachte vor allem durch Sebastian Blech und Frank Drechsler die SV-Abwehr immer mal wieder zum schwitzen. Die Torausbeute blieb aber trotzdem bescheiden, da im Concordia-Gehäuse mit Resimius, eine mehr als sichere Bank stand. Dann wechselten die Gäste durch und ließen so etwas die Zügel schleifen. Eine günstige Gelegenheit für die Einheimischen um ein wenig Resultatskosmetik zu betreiben. Der 10:20-Pausenstand aus Sicht des VfL sah sich dann auch gar nicht mal so schlecht an. Doch das konnte der Bundesligist, der zuvor zwei Wochen Urlaub genoss, natürlich nicht ganz so hinnehmen und zog das Tempo etwas an. Allerdings sorgten R. Lohse, Dörner sowie Blech und Drechsler mit schönen Toren dafür, dass die Nordsachsen erst mal nicht weiter als zehn Tore enteilen konnten. Ab der 40. Spielminute legte Delitzsch erneut einen Zahn zu und enteilte binnen weniger Minuten auf 18:32. Doch das ließ die Stimmung unter den fast 350 Fans nicht sinken. Gute Aktionen auf beiden Seiten wurden immer wieder mit Szenenapplaus bedacht. Am Ende einer wohltuend fairen Partie dann auch ein klarer 43:22-Erfolg für den Bundesligisten, der sich zu Beginn der Saisonvorbereitung schon recht fit zeigte. Für den VfL Waldheim 54, der sich mit seiner gezeigten Leistung nicht zu verstecken braucht, ein würdiger Abschluss der Feierlichkeiten zum 50. Vereinsjubiläum.